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Montag, 3. Oktober 2011

Mein kleines Geschenk Gottes

Ich liebe es, zu Hause zu bleiben. Ich habe gar kein Problem, den ganzen Tag hier zu verbringen. Besonders nicht, wenn es draußen kalt ist. Aber die letzen Tage sind warm und schön gewesen... deswegen sagte ich zu mir selbst, "Natalya, du musst raus gehen!" Und genau das habe ich gemacht: ich habe einen Grund gesucht, um einen kleinen Ausflug mit meiner Rennmaschine zu machen und los ging es -

Los, sage ich. Aber nur bis zu meiner Wohnungstür. Weil, in dem Augenblick als ich meine Wohnungsür aufgemacht hatte, ist ein kleiner Kater hinein gelaufen. Meine erste Reaktion war, "OMG! Ein gefährliches Tier ist reingekommen!" Der kleine Kater lief hin und her, er suchte etwas aber konnte es nicht finden.  Er lief ins Wohnzimmer, danach ins Schlafzimmer, danach in die Küche - in jede Richtung, außer nach draußen.

Erschrockener Kater

Zum Glück war die Badewanne sauber und trocken!

Ich stand da, überrascht. Und ängstlich.  Ich habe ihn (auf Spanisch) gefragt, "Was ist mit dir los?" Er hat mir in die Augen geguckt und sagte, "Miau." (Welches Geräusch machen Katzen auf Deutsch?) Ich hatte Angst, ihn anzufassen, weil Tiere Krankheiten mitbringen, nicht wahr? Und bei Katzen ist Toxoplasmose besonders schwerwiegend. Das weiß ich, weil ich die technische Bedienungsanleitung für die Medizin gegen Toxoplasmose übersetzt habe. Der Kater lief immer hin und her, verrückt, wie verloren. Er war schmutzig und hungrig. Hungrig war nur meine Theorie - also, ich habe ihm ein bisschen Milch gegeben (Lektion 1: Katzen dürfen KEINE Milch trinken... sonst haben sie schlechte poopies, die ICH putzen muss.) Er hat die Milch gerne getrunken und machte weiter sein Katergeräusch.

Er trank sein Milch sehr schnell!

Dann dachte ich, "Er sieht wie einen Baby aus. Ich denke, ich kann ihn anfassen." Er wurde gern angefasst. Ich war sicher, dass er zu jemandem gehört (oder gehören sollte), aber - ZU WEM? Ich habe bei allen meinen Nachbarn geklingelt, aber niemand war zu Hause. (Komisch: die Deutschen arbeiten!!)

Es gab also keine andere Möglichkeit: der Kater musste bei mir bleiben, mindestens bis Honey nach Hause kam. Das war gar kein Problem. Das Problem war, dass der Kater etwas fressen sollte. Aber was? Was fressen kleine Katzen? Ich habe Karotten und Zwiebeln angeboten. (Lektion 2A: Katzen fressen kein Gemüsse.) Ich habe Corn Flakes und Müsli angeboten. (Lektion 2B: Katzen fressen kein Müsli.) Ich habe Brot angeboten. (Lektion 2C: Katzen fressen gern Brötchen.)

Er frisst das letze Stück Brötchen

Nach dem Essen, wusste ich nicht, was ich jetzt noch mit meinem neuen Kater tun sollte. Ich meine, soll man mit einem Kater spielen? Oder soll man einen Kater in Ruhe lassen? Oder soll man mit einem Kater spazieren gehen? (Lektion 3: Antwort für die Fragen --> Ja, Ja, NEIN!)

Katzen lieben es, zu spielen!

Aber sie lieben es auch, in ruhe zu bleiben...

Ahnungslos, habe ich mich am Boden gesessen. Der Kater ist sofort zu mir gekommen und hat auf mich geklettert. Verrückte Kater! Ich habe den Kater noch etwas (auf Spanisch gesagt) und er hat nicht geantwortet; als ich auf Deutsch sprach, hat er sofort "Miau" gemacht. (Lektion 4: Katzen sprechen die Landessprache.)




Meine deutsche Mutter hat mir empfohlen, einen Katzen-Klo zu bauen. Und nur dann hatte ich bemerkt - OMG! Ich kann diesen kleinen Kater allein lassen! Und so fängt es an, so wie ein Spiel für ihn: ich lief den ganzen Zeit hinter ihn. Das war gut Trainieren, meine ich. 

Temporär Katzen-Klo. Es hat nicht geklappt...

Obwohl wir viel Spaß zusammen hatten, ich habe mich immer daran erinnert, dass er zu jemandem gehört. Und ganz sicher war der Kater-Besitzer traurig, weil er seinen Kater vermisst. Trotzdem... ich war verliebt. Er war mein kleines Geschenk Gottes. Du weißt, wie viel ich Geschenke liebe. Es war wirklich wie Weihnachten.


Als Honey nach Hause gekommen ist, haben wir darüber geredet: Wenn in eine Woche keinen Besitzer kommt, gehört das Geschenk Gottes zu mir (zu uns, hat er gesagt...). Er hat Katzen Futter und Toilette Sachen gekauft; ich habe kleine Anzeige gepostet; aber danach gab es nicht mehr zu tun, als nur warten. Und spielen!



Leider hat den Besitzer mich den nächsten Morgen angerufen. Er wohnt in meiner gleichen Gebäude! Er hat seinen Tür nur ein klein Augenblick aufgemacht und plötzlich ist ihn der Kater entlaufen. Er war spät zur Arbeit, deswegen hatte er keine Zeit, um auf den Kater zu suchen. Er konnte nur hoffen, dass er sicher war. Er klang super traurig, weil seiner Kater hat ihn entlaufen... Auch hat der Kater ihn sofort anerkannt.

Also, das was "mein kleines Geschenk Gottes" Geschichte. Als ich den Kater zurück gegeben habe, habe ich mich gefühlt, wie etwas in meinem Leben fällt. Ich bin jetzt lückenhaft, weil ich kein Kater/keine Katze habe. Ich kann mich nur freuen, weil ich ein kleines Geschenk Gottes für einen Tag hatte.


Montag, 29. August 2011

Meine neue Rennmaschine

Wenn etwas einfach und unvergesslich ist, jeder sagt, "Es ist genau so wie Fahrrad fahren: man kann das niemals vergessen!" Aber das ist falsch. Total falsch. Absolut falsch. Es gibt nichts schwieriger als Fahrrad fahren. Tja, ok, vielleicht Hochseil klettern ist ein bisschen schwieriger; aber sonnst, nichts. Und man kann das einfach vergessen, besonders wenn man seinem Fahrrad nicht für 20 Jahre fährt. Zwanzig Jahre. Das sind eine ganze menge Jahre! Also, ich muss jetzt erklären, dass ich, in meinem Leben, Fahrrad nur kurz gefahren habe. Das war so, weil mein Onkel konnte besser (und lieber) Rollschuhfahren. Er hatte eine von diese alte, 4-Rädder Rollschuhe, und ich hatte die neuste, beste, schönste Inlineskate. Er war so alt, ich war so moderne.

Wenn ich mich richtig daran erinnere, genauso waren mein Onkels Rollschuhe!

...und so waren meine Inlineskates. Es wäre schön, wenn ich sagen könnte, dass sie Rosa waren. Leider nicht. Mein Vater mochte nicht die Farbe Rosa... es war zu weiblich. 

Ich kann immer noch sehr gut Rollschuhfahren. Vielleicht brauche ich nur ein paar Stunden, um zu üben. Aber Rollschuhfahren kann ich. So gut, eigentlich, dass obwohl in Barranquilla gibt es kein Schnee, oder gefrorene Floss oder See, ich kann auch Schlittschuhlaufen.  Es ist etwas, dass wenn man es lernt, vergiss man es niemals.

NICHT wie Fahrrad fahren. Das vergiss man. Wirklich.

Trotzdem... ich habe sehr gute Freunde - oder sehr schlechte Freunde, ich bin noch nicht sicher. Ich habe Freunde, die mich ein Fahrrad geschenkt haben. Es ist ein super Fahrrad: natürlich zu klein für Deutsche, deswegen natürlich zu groß für mich. Aber es war mein erstes Fahrrad in 20 Jahren. Damit habe ich wieder gelernt, oder noch einmal gelernt, wie man Fahrrad fahren kann. Oder soll. Oder darf. Weil es gibt Regeln hier in Deutschland, auch für Fahrrad fahren. OMG. Ich war einmal von einem Polizisten geschimpft, weil ich nicht auf der Straße gefahren bin, sondern auf dem Gehweg. Ich habe versucht ihn zu erklären, dass ich gefährlich auf der Straße bin... aber er hat so viele, schnelle Wörter gesagt, dass ich bin sofort auf der Straße gegangen - und so bald wie er weg war, fing ich zu weinen an. Weil das machen die Frauen, wenn wir geschimpft sind: wir weinen.

Auf jeden Fall, alles läuft gut mit meinem Fahrrad. Nach einem Jahr kam mein Geburtstag, und noch schlechtere Freunde (oder bessere?) gaben mir ein neue Geschenk: nicht nur ein Fahrrad, sondern eine Rennmaschine. OMG, es rennt. Wirklich. Es hat 7 Gänge vorne und noch 3 hinter. Oder umgekehrt. Ich habe gar keine Ahnung. Aber Honey hat gesagt es ist ein super Fahrrad. Hauptsache: ich muss kaum "arbeiten", weil meine neue Rennmaschine die harte Arbeit für mich macht. Es denkt, fast. Es sagt mir, "Natalya, jetzt fährst du bergauf; du brauchst ein niedriger Gang," und ich mache was es zu mir sagt. Und ich fahre nicht - ich fliege!


Ich habe bis jetzt kein Unfall gehabt - aber ich bin nur einmal mit meiner Rennmaschine geflogen. Mal sehen... vielleicht meine nächste Post wird interessanter...